Text: Helmut Deutsch, Fotos: Eva Benedikt & Helmut Deutsch

 

Die Gegend um den Steinbruch auf der Sonnseite östlich von Nörsach gilt seit jeher als einer der Wärme-Hotspots des Bezirkes. Die xerothermen Hänge als westliche Ausläufer der „Tröger Wand“ bieten zahlreichen wärmeliebenden Tieren und Pflanzen geeignete Lebensräume mit submediterranen Bedingungen, in einigen Fällen sind es die einzigen Fundorte in Osttirol. Einige Beispiele dafür sind Blumen-Esche (Fraxinus ornus), Berg-Leinblatt (Thesium bavarum), Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum), Schwertblättriges Waldvögelein (Cephalanthera longifolia) und Violetter Dingel (Limodorum abortivum). Danke an Oliver Stöhr für die Unterstützung bei den Pflanzen!

Bei den Schmetterlingen konnten folgende Arten bisher ebenfalls nur hier gefunden werden: Weißgraues Flechtenbärchen (Eilema caniola), Marmoriertes Gebüsch-Eulchen (Elaphria venustula), Zweifelhaftes Halm-Eulchen (Oligia dubia), außerdem eine Anzahl von hier nicht näher angeführten Kleinschmetterlingen. Die Habitate liegen auf einer Seehöhe von 700 – 750 m.


Kopula des Mauerfuchses am 24. April 2020 bei Nörsach, 750 m (fot. Eva Benedikt)

In diesem interessanten Gebiet waren meine Frau und ich am 25. April 2020 unterwegs auf einen fotografischen Streifzug und auch, um Tagfalterdaten für die Schmetterlingsfauna von Osttirol aufzunehmen. Wie oftmals zuvor hielt ich auch diesmal wieder Ausschau nach selten gefundenen oder gar neuen Schmetterlingen für das Gebiet, als plötzlich – es war um die Mittagszeit – ein grau-orangefarbener Tagfalter unbeholfen am Weg entlang flatterte, es sah etwas sonderbar aus. Der Grund dafür war auch bald gefunden. Als er sich auf einem besonnten Felsen niederließ, erkannte ich, dass es nicht einer sondern zwei waren: eine Kopula des Mauerfuchses (Lasiommata megera). Den weiter im Süden häufigen Falter hatte ich wohl in dieser Gegend vermutet, konnte ihn aber bisher nie nachweisen. Kopulierende Tagfalter können gemeinsam fliegen, während der Verbindung allerdings nicht sehr geschickt - einer von beiden muss dann wohl oder übel rückwärts fliegen… Wenig später konnte dann noch ein weiteres Einzelexemplar gesichtet werden. Diese Art ist sehr wärmeliebend und nur in felsigen, xerothermen Habitaten zu finden. Außerdem setzt sie sich hauptsächlich an Steinen oder Felsen nieder und ruht mit zusammen geklappten Flügeln, sodass nur die steingraue, gute getarnte Unterseite der Flügel sichtbar wird. Die geklappte Sitzstellung lässt außerdem kaum Sonne auf die Flügeloberseite und verhindert dadurch eine Überhitzung der Falter an heißen Tagen.

  
Mauerfuchs, Männchen: li. Oberseite, re. Unterseite - damit auf felsigem Untergrund gut getarnt. (fot. Helmut Deutsch)

Der in allen österreichischen Bundesländern vorhandene Tagfalter ist somit auch in Osttirol bekannt geworden. Die Raupen leben an verschiedenen Gräsern, vor allem an Schwingel-Arten (Festuca spp.) und fressen nachts.

Äußerst bemerkenswert waren aber auch die Begleitarten. 2 Männchen des Roten Apollos (Parnassius apollo) konnten wir am selben Tag an Skabiosen saugend antreffen. Das waren die frühesten Exemplare, die ich vom Apollo jemals gesehen habe. Ende April kann man in normalen Jahren die Raupen finden, die Falter fliegen ab Mitte Juni. Apollofalter gleichzeitig mit dem Aurorafalter fliegend - das ist ein erstaunliches Phänomen, vielleicht bedingt durch die schon lang anhaltenden Trockenheit in Verbindung mit diesem außergewöhnlichen Standort.


Frühester Nachweis des Roten Apollo in Osttirol: 24. April 2020, bei Nörsach (fot. Eva Benedikt)