Text & Fotos: Helmut Deutsch  (26.03.2014)

Was hat eine tagaktive Fliege mit goldenem Schild und ein Nachtfalter, der die Wolfsmilch umschwärmt, gemeinsam? Nun, beide Tiere wurden  zum Insekt des Jahres, bzw. Schmetterling des Jahres 2014 erkoren. Das ist Grund genug, dass wir uns mit der Biologie dieser interessanten Insektenarten etwas näher befassen. 

Goldschildfliege (Phasia aurigera)

In Mitteleuropa existieren ca. 9500 verschiedene Fliegenarten. Die Dipteren zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur ein Flügelpaar besitzen, die meisten anderen Insektenfamilien haben zwei davon. Neben der lästigen Stubenfliege gibt es eine Reihe von kleineren und größeren Fliegenarten, von denen viele metallisch glänzende, bunte Farben tragen. Eine davon ist die Goldschildfliege, die im männlichen Geschlecht recht auffällig gezeichnet und gefärbt ist. Die großen roten Augen bilden mit den orangefarbenen Flügeln und dem gelben Thorax einen schönen Kontrast, der Hinterleib ist schwarz mit gelbem Rand. Die Weibchen hingegen sind einfarbig schwarz mit transparenten Flügeln, die Augen sind wie bei den Männchen rot gefärbt. Aber nicht nur in der attraktiven Färbung, auch in der Größe übertrifft sie mit 10 – 11 mm Körperlänge die Stubenfliege bei weitem. Die Insekten können tagsüber an blühenden Doldengewächsen beobachtet werden.

Die Biologie dieser Art mag bei Laien Staunen und Entsetzen hervorrufen: die Eier werden mit einem spitzen Legestachel in den Körper von Wanzen abgelegt. Die daraus schlüpfenden Fliegenlarven fressen die Wanzen also von innen auf. Am Ende der Larvenentwicklung greifen sie auch die lebenswichtigen Organe der Wanze an (Herz, Verdauungsorgane) und verlassen schließlich den ausgehöhlten Wanzenkörper, um sich außerhalb zu verpuppen. Durch diese parasitische Entwicklungsweise leisten die Goldschildfliegen einen wichtigen Beitrag zur Regulierung der Wanzenpopulationen.

Die Verbreitung beläuft sich auf ganz Europa, aber auch in Russland und China gibt es mehrere Vorkommen. In Osttirol gehört diese Art zu den eher seltenen Species. Herr HR. Dr. Alois Kofler, einer der besten Kenner der heimischen Tier- und Pflanzenwelt, konnte in den vergangenen Jahrzehnten nur wenige Exemplare im Raum Lienz nachweisen (mündl. Mitteilung).

 Wolfsmilchschwärmer (Hyles euphorbiae)

In Osttirol kommen 17 Arten von Schwärmern vor. Sie gehören zu den großen Nachtfaltern unserer heimischen Schmetterlingsfauna und sind durch die schmalen Flügel und den stromlinienförmigen Körper gut charakterisiert. Außerdem tragen die großen, oft bunten Raupen am Körperende einen hornartigen Fortsatz, der sie als „Schwärmer“ auszeichnet. Die knalligsten und buntesten Farben trägt aber die ca. 8 cm lange Raupe des Wolfsmilchschwärmers, die sich damit auch gar nicht versteckt, sondern frei auf ihrer Nahrungspflanze, der Zypressenwolfsmilch, sitzt. Dies ist die einzige Pflanze, die von den Raupen angenommen wird. Die Wolfsmilchpflanzen enthalten einen ätzenden Milchsaft mit giftigen Inhaltstoffen, den die Raupen mit der Nahrung aufnehmen und damit für Fressfeinde ungenießbar werden. Wozu also tarnen und verstecken? Man vermutet, dass die auffallende Färbung die Feinde eher abschreckt, zumindest ab dem Zeitpunkt, wo sie einmal schlechte Erfahrung gemacht haben. Die Raupen entwickeln sich im Spätsommer und Herbst an sonnigen, trockenen Örtlichkeiten mit reichlichen Wolfsmilchbeständen. Die Puppen überwintern in einer Erdhöhle im Boden.

In geeigneten Lebensräumen kann man im Sommer den Schwärmer antreffen, der tagsüber in der Vegetation verborgen ist, erst in der Abenddämmerung aktiv wird und gerne Lichtquellen anfliegt. Er ist etwa 7 cm groß, für einen Nachtfalter erstaunlich bunt gefärbt und gehört damit zu den augenfälligen Arten unserer heimischen Schmetterlingsfauna.

Der Wolfsmilchschwärmer ist von Nordafrika über ganz Europa und Asien verbreitet. In Osttirol bildet er stabile Populationen an warmen Plätzen bis etwa 1500 m Seehöhe und kann zur Zeit als „nicht gefährdet“ angesehen werden.